Bericht 45.Internationales KGS Symposium Cully

Weltkulturerbe – Tourismus – Gag oder Chance? 
Das 45. Internationale KGS-Symposium der Schweizerischen Gesellschaft für Kulturgüterschutz widmete sich der Frage, ob der Eintrag in die Liste des Weltkulturerbes zum Schutz der eingetragenen Objekte beiträgt oder ob der Tourismus, welcher mit dem gestiegenen Bekanntheitsgrad verbunden ist, zur Bedrohung des Kulturerbes beiträgt.

Artikel 24Heures
Lavaux unter Druck: Strassen und Bahn, Tourismus, Immobilien.
François Potterat, Syndic von Cully stellte seine Gemeinde vor, welche mitten im Weltkulturerbe Lavaux liegt. Das Referat zeigte das Spannungsfeld auf, welches durch die Bedürfnisse der Bewohner, den grossen Transitverkehr sowie Druck der Immobilienbranche auf dem Gebiet lastet. Das Weltkulturerbe Label ist momentan im Lavaux noch nicht sichtbar, man setzt auf sanften Tourismus und hochwertige Angebote wie das Cully Jazz Festival oder Cully Classics. Momentan werden Unterschriften für eine dritte Lavaux-Initiative gesammelt, welche von Franz Weber und lanciert wurde. Potterat vertrat die Ansicht, dass die erste und zweite Initiative aus heutiger Sicht der Region geholfen haben, die dritte nun das Leben im Weltkulturerbe zu sehr einschränken würde.
Bernard Bovy, Projektleiter der Kandidatur Lavaux - Weltkulturerbe schilderte den Prozess, welcher 2003 gestartet wurde und schliesslich  2007 zum Eintrag der Region in die Liste des Weltkulturerbes führte. Ein Film aus der Reihe Schätze der Welt zeigte die verwundbare Schönheit der Region und ihren Wandel in den letzten Jahrzehnten auf.

www.schaetze-der-welt.de/denkmal.php
 Klosterkirche Mustair
 
Elke Larcher, Verantwortliche für Kommunikation der Stiftung und Bauhütte Mustair zeigte das Spannungsfeld ihres Objekts auf. Mustair ist ein lebendiges Kloster, welches durch die ununter-brochene monastische Tradition seit dem 8. Jhdt. Als Kulturerbe von besonderem Wert ist. Die Nonnen möchten in Ruhe nach der Regel des hl. Benedikts leben. Daneben ist die Klosterkirche Mustair durch den karolingischen Bilderzyklus weltweit einzig-artig. Nirgendwo ist die Bausubstanz aus dem Früh- und Hochmittelalter so einzigartig erhalten geblieben. Die Bauhütte möchte die Stätte deshalb erforschen und erhalten. Seit dem Eintrag in die Liste des Weltkulturerbes wurde Mustair auch vom Tourismus entdeckt. Aufgrund der geogra-phischen Lage abseits der grossen Transitstrecken ist der Druck auf das Objekt noch erträglich, obwohl man in den Sommermonaten an die Grenze der Kapazität stösst. Mustair strebt wie Lavaux einen qualitativen Tourismus an, welcher sich von der Spiritualität des Ortes inspirieren lässt und möglichst auch etwas länger im Tal verweilt. Die Integration und Identifikation der Talbevölkerung, insbesondere der Kinder ins Weltkulturerbe ist besonders wichtig und wird in Mustair sehr erfolgreich gemacht.
 
Ilona Hoyos zeichnete ein differenziertes Bild der österreichischen Bemühungen zum Erhalt des Kulturgutes.
Wichtig sind die Verfassungsbestimmungen, welche in diesem Bereich stark in die Kompetenzen der Länder eingreifen. Die Rolle der Kulturgüter-schutzoffiziere des Bundesheeres wurde hervor gestrichen, ebenso die Bedeutung der internationalen Kontakte im staatlichen wie auch im privaten Bereich, z.B. durch die Kontakte der Kulturgüterschutzgesellschaften und der internationalen KGS-Liga.
 
Bild des Klosters Monte Cassino nach der Zerstörung im zweiten Weltkrieg. Aufgrund dieser Erfahrungen wurden die internationalen Abkommen zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten abgeschlossen.
 
Aufgrund der Kriegserfahrung hat sich Österreich seit 1945 stark für die Entwicklung völkerrechtlicher Konventionen zum Schutz des Kulturguts eingesetzt und wird dies auch weiterhin tun. Die Aufmerk-samkeit sollte nicht nur den spektakulären Objekten gelten, sondern den vielen kleineren Objekten und Ensembles, welche in ihrer Gesamtheit erst einen Einblick in die Kultur eines Landes ermöglichen und deshalb genauso Schutz und Erhaltung verdienen. Kulturgüterschutz ist eine dauerhafte Aufgabe, welche von allen nachhaltig verfolgt werden muss.
 
Das Internationale KGS Symposium 2010 wird am 6./7. Mai 2010 stattfinden. 
 
Die Exkursion am Samstag mit dem „petit train“ führte bei schönstem Wetter durch das Lavaux-Schutzgebiet. Ein Apéritiv in Epesses und eine geführte Besichtigung des historischen Kerns von Lutry rundeten eine interessante und vielseitige Veranstaltung ab.
Die nächste Generalversammlung und internationales Symposium findet am 6./7. Mai 2010 in Einsiedeln statt, bitte den Termin in der Agenda vormerken.

 

Lavaux im schönsten Frühlingskleid