Zum Hinschied von Gino Arcioni, Ehrenpräsident SGKGS

Die Stimme eines Schweizer Kulturgüterschutz Pioniers ist verstummt


Gino Arcioni, 1921-2011
Gino Arcioni wurde am 08.Oktober 1921 in Corzonesco im Tessiner Bleniotal geboren. Sein Vater erkannte die Talente des jungen Gino früh und ermöglichte ihm das Studium der Rechte an den Universitäten Basel, Heidelberg und Salamanca. Während des Aktivdienstes schlug Gino Arcioni eine Offizierslaufbahn ein, worauf er mehrere Jahre als Berufs Offizier diente. Er war einer der Mitbegründer der Gesellschaft der Wehrwirtschaftsoffiziere.
Angespornt durch die Herren KKdt Alfred Ernst und Samuel Gonard sowie Div Karl Brunner wurde Arcioni 1952 im Ressort „Kulturgüterschutz“ aktiv. Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges sollten Kulturgüter international besser geschützt werden, so wurde am 14.Mai 1954 das Haager Abkommen vom 14. Mai 1954 für den Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten unterzeichnet, dem die Schweiz allerdings erst am 15.Mai 1962 beitrat.
Überzeugt, dass Kulturgüterschutz nicht einzig staatlichen Vorkehrungen überlassen werden durfte sondern im Sinne des Schweizer Milizgedankens auch von der Gesellschaft mitzutragen sei, war Gino Arcioni am 14.Mai 1964 bei der Gründung der Schweizerischen Gesellschaft für Kulturgüterschutz als Aktuar dabei: Gleichzeitig wirkte er im Armeestab als Leiter des Ressorts Kulturgüterschutz. Sein Engagement beschränkte sich jedoch nicht nur auf die Schweiz: als echter Europäer war Arcioni überzeugt, dass Kulturgüterschutz nicht an den Landesgrenzen halt machen darf, in der „Überzeugung, dass jede Schädigung von Kulturgut, gleichgültig welchem Volke es gehört, eine Schädigung des kulturellen Erbes der ganzen Menschheit bedeutet, weil jedes Volk seinen Beitrag zur Kultur der Welt leistet (Haager Abkommen 1954).
So wurde er zum Initianten und Promotor der Gründung Nationaler KGS-Gesellschaften ua. in Deutschland, Österreich und Italien. Unermüdlich vermittelte er sein Wissen an Einsatzkräfte in Führungslehrgängen der Armee (Luzern), der Polizei- und Feuerwehrkorps sowie in verschiedenen Militärakademien Westeuropäischer Staaten.
Von 1981 bis 2001 leitete Gino Arcioni als Präsident die Geschicke der Schweizerischen Gesellschaft für Kulturgüterschutz. 1997 war er mit den Präsidenten der österreichischen, deutschen, italienischen und rumänischen Kulturgüterschutzgesellschaften an der Gründung der Internationalen Liga der nationalen Kulturgüterschutz Gesellschaften (KGS-Liga) beteiligt, welche er bis 2001 als Zentralpräsident leitete. Seine Sprachkenntnisse der Schweizer Landessprachen, des Spanischen, Portugiesischen und Englischen halfen ihm, wenn notwendig Brücken zu schlagen. Gino Arcioni war Immer ansprechbar und einsatzbereit!
Er vertrat die Anliegen des Kulturgüterschutzes auch in anderen Gremien, so war er 31 Jahre Vorstandsmitglied des Schweizerischen Zivilschutzverbandes und stand in Kontakt mit dem „Instituto Internazionale di Diritto Umanitario“ in Sanremo. Er war auch regelmässiger Mitarbeiter in den KGS Seminarien der Universitäten Firenze (I) und Evore (P). Aufgrund seiner Verdienste wurde er zum Ehrenmitglied der „Fédération Nationale de Protection Civile“ in Paris und der „Società Italiana per la Protezione die Beni Culturali“ ernannt. Mit Gino Arcioni sind wir überzeugt, dass echtes Kulturschaffen und der Einsatz für die Kulturerhaltung heute wie morgen allerbeste Garanten für völkerrechtliches Verständnis darstellen.
 
Peter Hostettler, Präsident Schweizerische Gesellschaft für Kulturgüterschutz