| Der Lindenhof
Der Lindenhofhügel entstand vor ca. 19'000 Jahren aus den Ablagerungen der Endmoräne des Linthgletschers, der damals bis in die Gegend von Baden reichte. Solche Moränenhügel sind rund um Zürich sichtbar, dazu gehören der Zürichberg mit dem Pfannenstiel und der Üetliberg mit der Albiskette. Auch der Zürichsee wurde durch solche Moränenablagerung gestaut. Die daraus entstandenen Flachuferzonen waren deshalb Anreiz für die auftretenden Siedler. Neue Forschungen weisen darauf hin, dass die Kelten die ersten Siedler an der Limmat gewesen sein müssen. Im 6. Jahrhundert v.Chr. gab es auf dem Üetliberg auch einen keltischen Fürstensitz.

Die erhöhte Anlage im Stadtzentrum birgt Reste einer römischen Zollstation sowie eines spätrömischen Kastells. Heute ist sie eine Oase der Ruhe und Erholung inmitten der Stadt und Treffpunkt passionierter Schachspieler. Von hier geniesst man einen herrlichen Ausblick über die Altstadt.
Grabungen seit 1937 ergaben, dass die Besetzung des Lindenhofes durch römisches Militär auf das Jahr 15. v. Chr. zu datieren ist. (nach dem Alpenfeldzug von Tiberius und Drusus). Der Name Zürich erscheint zum ersten Mal auf einem Grabstein Ende des 2. Jahrhunderts, den der Vorsteher der römischen Zollstation in Zürich seinem anderthalbjährigen Söhnchen Lucius Aelius Urbicus setzte. Der zugrunde liegende Namen Turicum ist wahrscheinlich keltisch und von einem Personennamen Turus abgeleitet. Der Grabstein befindet sich im Landesmuseum, eine Kopie ist in der Mauer der Pfalzgasse auf der Höhe des heutigen Logengebäudes zu sehen. Neuere Grabungen haben mehr Licht in die römische Vergangenheit von Zürich gebracht. Die St.-Peter-Kirche steht auf dem Platz eines römischen Heiligtums, eines Jupitertempels, wie man annimmt. An den heutigen Weinplatz bergwärts anschliessend (auf dessen Areal einst eine Limmatbucht lag), befand sich eine römische Badeanlage (Thermengasse).
Das letzte Kapitel des römischen Zürich beginnt mit der Erbauung des Kastells auf dem Lindenhof, dessen mit zehn Türmen verstärkte Mauer den ganzen Lindenhof umzog. Erbaut wurde sie in der Regierungszeit des Kaisers Valentinian I. (364 - 375 n. Chr.) Maurerreste dieses Bauwerks kamen beim Abbruch der von der Modestia cum Libertate erworbenen Liegenschaft "Zum Paradies" zum Vorschein. Sie können heute noch besichtigt werden.
Im Mittelalter diente die römische Mauer als Steinbruch. Aus ihrem Material entstand auf der Limmatseite des Hügels eine kaiserliche Pfalz. Sie wurde geschleift, als nach dem Aussterben der Zähringer, die als Reichsvögte amtierten, Zürich 1218 reichsfrei wurde. Steine aus dem römischen Kastell sind auch in den Bürgerhäusern rings um den Lindenhof vermauert.
Von 1271 an fanden, urkundlich belegt, jeweils am Palmsonntag und am Pfingstmittwoch Prozessionen auf den Hof statt. Mit der Prozession am Pfingstmittwoch ehrte man die Stadtheiligen Felix und Regula. Beide Anlässe wurden in der Reformationszeit, 1524, abgeschafft, weil der Rat der Ansicht war, "dass damit grosser Hoffahrt von Wib und Mannen ersparte werde und viel unnützer Reden underwegen blieben".
1292 wurde die Stadt durch Herzog Albrecht belagert. Die Männer waren zum Kampf ausgezogen. In der Not sollen sich Frauen der Stadt zur Abschreckung des Feindes gepanzert auf der Lindenhofmauer aufgestellt haben, worauf die Österreicher abzogen. Die behelmte Figur der Anführerin der beherzten Frauen - mit Namen Hedwig ab Burghalden - auf dem seit 1668 existierenden Brunnen hält die Erinnerung an diese Sage fest.
Nach der Chronik wurden im Jahre 1474 genau 52 Linden auf dem Hof gepflanzt. Steinerne und hölzerne Scheiben in ihrem Schatten dienten als Tische. Auf ihnen wurde auch Schach gespielt. Dazu gab es eine Kegelbahn. Der Lindenhof war der öffentliche Spiel- und Vergnügungsplatz des alten Zürich.
Das (Bogen-) Schiessen war neben dem Trinken wohl eine der wichtigsten Freizeitbeschäftigung auf dem Lindenhof. Am 25. August 1526 kamen die Schützen von St. Gallen mit Vadian, ihrem Bürgermeister, an der Spitze zu einem Schiessen nach Zürich, wobei sie vom Bürgermeister, den Räten und allen Zünften zum Essen auf den Lindenhof geführt wurden, dem auch die vornehmen Geistlichen Zwingli, Leo Jud, Pelikan, Mykonius und der Abt von Kappel beiwohnten.

Der Lindenhof nach einem Stich von Johann Melchior Füssli
(1677 - 1736, erschienen bei Heidegger um 1742.
Gemäss einem Bericht aus der Mitte des 17. Jahrhunderts verfügte jede Zunft über ihren eigenen Steintisch. So ist es nicht verwunderlich, dass sich die Zünfte am Sechseläuten unter den Linden zusammenfanden. Gottfried Keller schildert in seinem Gedicht "Ein Festzug in Zürich" das glanzvolle Festmahl der kostümierten Teilnehmer aus dem Jahre 1856.
Heute finden sich am letzten Tag des Monats April alljährlich die Singstudenten auf dem Lindenhof ein, zur Begrüssung des neuen Monats Mai. Der Brauch datiert aus dem Jahre 1879. Eine behördliche Bewilligung vom 2. Mai 1921 lautet: "Dem Studentengesangs Verein Zürich wird auf Zusehen hin die dauernde Bewilligung erteilt für das alljährliche ‚Maiensingen', je in der Nacht vom 30. April bis 1. Mai, 24.00 Uhr".

Die Zürcher Freimaurerei
Erste Spuren freimaurerischer Tätgkeit datieren aus dem Jahre 1740. Im gleichen Jahre erschien in einer von den Literaturgelehrten Bodmer und Breitinger herausgegebenen Wochenschrift eine enthusiastische Verteidigung der jungen Bewegung. In der Folge entstanden weitere Logen, zur Hauptsache als Gründungen aus fremden Kriegsdiensten heimkehrender Offiziere, die die Freimaurerei im Felde kennenglernt hatten. Die Logen hielten sich nicht lange, mit Ausnahme der Loge "Zur Verschwiegenheit" ("La Discrétion"), die 1771 gegründet wurde. Ihr schloss sich im folgenden Jahre der Arzt Diethelm Lavater an, der in Deutschland Freimaurer geworden war. Das dort kennengelernte System der Strikten Observanz führte er in die Loge ein. Lavater, Arzt, Ratsherr und Bruder des berühmten Predigers Johann Caspar Lavater, wurde ihr Stuhlmeister. Seither nennt sich diese älteste Zürcher Loge "Modestia cum Libertate".
Grossmeister der Schweizerischen Grossloge Alpina aus Zürich
| 1844 - 1850 |
Johann Jakob Hottinger, Modestia cum Libertate |
| 1905 - 1910 |
Hermann Häberlin, Modestia cum Libertate |
| 1957 - 1961 |
Theodor Hinnen, Modestia cum Libertate |
| 1961 - 1962 |
Harry Ziegler, In Labore Virtus |
| 1986 - 1990 |
Walter von Ins. Modestia cum Libertate |
| 1996 - 1998 |
Hans Bühler, In Labore Virtus |
Bekannte Freimaurer aus Zürcher Logen
| 1743 - 1827 |
Diethelm Lavater, Arzt und Apotheker, Mitglied der Zürcher Regierung |
| 1741 - 1818 |
Salomon Landolt, Zürcher Scharfschützenoberst, " Landvogt von Greifensee", Landvogt von Eglisau |
| 1808 - 1881 |
Johann Caspar Bluntschli, Zürcher Regierungsrat und Jurist |
| 1822 - 1906 |
Johann Jakob Treichler, Nationalrat, Regierungsrat |
| 1858 - 1931 |
Friedrich Zollinger, Sekretär der Erziehungsdirektion, Philantrop, Gründer der Zunft Hottingen |
| 1868 - 1953 |
Adolf Streuli, Stadtrat, dann Regierungsrat |
| 1878 - 1947 |
Karl Hafner, Regierungsrat |
| 1877 - 1947 |
Augusto Giacometti, Maler |
|